Zwischen Angst, Mut und Würde: Warum Austausch und Zuhören politisch ist!

Am Freitag, den 27. März 2026, lud die Initiative Wüstenblumen gemeinsam mit Bündnis 90/Die Grünen zu einer besonderen Veranstaltung in den Großen Bürgersaal des Hohen Arsenals in Rendsburg ein. Unter dem Titel „Menschen auf der Flucht zwischen Angst, Mut und Bürokratie“ rückte der Abend die vielfältigen Herausforderungen und Perspektiven geflüchteter Menschen in den Mittelpunkt.

Wüstenblumen, ein eingetragener Verein, der Migrant*innen dabei unterstützt, ihr Leben in Deutschland eigenverantwortlich zu gestalten, setzt sich gemeinsam mit den Grünen für einen offenen Dialog ein. Ziel der Veranstaltung war es, Einblicke in persönliche Erfahrungen zu geben, strukturelle Hürden sichtbar zu machen und Raum für Austausch, Verständnis und Lösungsansätze zu schaffen.

Umrahmt wurde die Veranstaltung von Franz Organista, der mit zeitkritischen, politischen Liedern unter dem Titel „Gegen den Tritt“ die Anliegen des Abends aufgriff.

Dann wurde es sehr leise im Raum. So leise, dass jedes Wort nachhallte. Als Rosana Trautrims vom Wüstenblumen e.V. die Fluchtgeschichte von Aref aus Afghanistan vorlas, blieb kein Platz mehr für politische Schlagworte oder vereinfachende Erklärungen. Die Details seiner Geschichte ließen keinen Zweifel: Niemand verlässt leichtfertig seine Heimat. Niemand nimmt Angst, Gewalt und lebensgefährliche Fluchtwege auf sich, „wegen des Sozialstaats“. Aref ist geflohen, weil sein Leben in Gefahr war.

Die Veranstaltung wurde so zu einem Moment der ehrlichen Auseinandersetzung. Im Publikum waren viele nachdenkliche Gesichter zu sehen, ein spürbares Innehalten und ein Hinterfragen eigener Bilder und Überzeugungen.

Einen weiteren eindrucksvollen Beitrag lieferte Muhammad Alhussain aus Syrien. Er sprach darüber, was es bedeutet, in Deutschland den Namen „Muhammad“ zu tragen, über Vorurteile, über Blicke und über alltägliche Erfahrungen, die oft unsichtbar bleiben und doch prägen. Für viele im Raum wurde deutlich, dass Gleichberechtigung nicht bedeutet, die gleichen Voraussetzungen zu haben.

Ein Höhepunkt der gut besuchten Veranstaltung war die Podiumsdiskussion, moderiert von Dennis Stüber, Vorstandsmitglied des KV RD-Eck. Die gesamte Veranstaltung wurde live vom Offenen Kanal Kiel übertragen. Auf dem Podium diskutierten Britta Mohr, Vorsitzende des KV RD-Eck von Bündnis 90/Die Grünen, Jan Kürschner, MdL und rechtspolitischer Sprecher der Grünen-Landtagsfraktion, Muhammad Alhussain und Naser Qoraishi, beide Mitarbeiter der Wüstenblumen, sowie Doris Kratz-Hinrichsen, Flüchtlingsbeauftragte des Landes Schleswig-Holstein.

Im Zentrum standen Fragen, die aktueller kaum sein könnten: Welche Veränderungen hat es in der Flüchtlingspolitik gegeben? Wo liegen die größten strukturellen Hürden für Menschen mit Migrationserfahrung? Warum nimmt die gesellschaftliche Polarisierung zu? Alle wissen, dass wir Zuwanderung brauchen und dass unter den Migrant*innen Fachkräfte sind. Warum dürfen sie sich nicht über den Arbeitsmarkt integrieren? Und welche Rolle spielen Medien und politische Debatten dabei? Weltweit waren 2024 über 123 Millionen Menschen auf der Flucht. Ursachen sind Kriege, Gewalt, Verfolgung, Menschenrechtsverletzungen, Hunger, Armut und die Klimakrise.

Gleichzeitig wurde auch nach positiven Beispielen gesucht, nach Projekten und Initiativen, die Mut machen. Eine besondere Hilfestellung bieten Wüstenblumen.

Die Diskussion war lebendig, vielstimmig und geprägt von echtem Interesse. Besonders bemerkenswert war die große Beteiligung des Publikums, das mit zahlreichen Fragen zeigte, wie sehr die Themen bewegen.

Doch was diese Veranstaltung besonders machte, ging über die Inhalte hinaus. Sie setzte ein Zeichen dafür, wie Zusammenarbeit gelingen kann. Zu oft wird über Migrant*innen gesprochen, ohne sie einzubeziehen. Zu oft bleibt Beteiligung symbolisch. Hier jedoch wurde die Veranstaltung gemeinsam konzipiert, organisiert und durchgeführt, auf Augenhöhe und mit gegenseitigem Respekt. Es gab kein „Wir“ und „Ihr“, sondern ein gemeinsames Team. Keine oberflächliche Einbindung einzelner Personen, keine Scheininklusion, sondern echte Teilhabe.

Gerade in einer Zeit, in der gesellschaftliche Debatten zunehmend polarisiert sind, ist das keine Selbstverständlichkeit. Es ist eine bewusste Entscheidung, zuzuhören, Perspektiven ernst zu nehmen und Räume zu schaffen, in denen Begegnung möglich ist.

Am Ende blieb nicht nur Betroffenheit, sondern auch Hoffnung. Viele Besucher*innen sprachen genau davon: von dem Gefühl, dass solche Räume wichtig sind, dass sie verbinden und Verständnis fördern können, und dass es möglich ist, miteinander ins Gespräch zu kommen – von Mensch zu Mensch.

Diese Veranstaltung hat deutlich gemacht: Integration ist keine Einbahnstraße. Teilhabe beginnt mit Zuhören. Und eine lebendige Demokratie lebt davon, dass Menschen nicht nur Gegenstand von Diskussionen sind, sondern selbst sprechen können.

Diese Veranstaltung war berührend, verstörend, klug und liebevoll und endete dank der Abschlussfrage von Dennis Stüber mit einer positiven Aussicht. Gemeinsam können wir uns stärken und ein positives Signal in die Welt senden.